Rede von Alparslan Kuytul nach Freilassung

Uns liegt nach zwei Wochen das Statement des Gelehrten Alparslan Kuytul vor, nachdem dieser aus seiner Isolationshaft entlassen wurde.
Derzeit befindet sich Alparslan Kuytul wieder in Isolationshaft.
Mehr erfahren sie hier:
http://islamicnews.de/2019/01/26/alparslan-kuytul-wieder-verhaftet/

Meine verehrten Geschwister,

ich bin stolz auf euch! Unsere feigen Feinde haben geglaubt, dass sie durch meine Inhaftierung bewirken könnten, dass ihr euch auflöst. Das war ihr Projekt. Ihr habt dafür gesorgt, dass sie sich blamiert haben und ich mich nicht schämen muss. Vor einiger Zeit habe ich am Telefon gesagt: In einem Staat, in dem es Gerechtigkeit gibt, läuft es folgendermaßen: Als erstes gibt es ein Verbrechen und Beweise dafür. Dann wird dem Verdächtigen die Möglichkeit gegeben, sich zu verteidigen. Wenn er schuldig ist, wird er verhaftet. In einem Staat, in dem es keine Gerechtigkeit gibt, läuft es hingegen so: Der Verdächtige wird als erstes verhaftet. Dann wird eine Schuld erfunden. Und nach einem Jahr wird ihm dann gesagt, dass er sich nun verteidigen kann. Das ist das, was mir widerfahren ist.

Wie ihr wisst, haben sie mich zuerst mit dem Terror beschuldigt. In meinem gesamten Leben habe ich niemandem auch nur eine Ohrfeige gegeben. Sie haben mich mit dem Terrorvorwurf verleumdet. Sie sagten erst, dass ich Mitglied von vier Terrororganisationen sei. Dann verminderte der Staatsanwalt diese Zahl auf zwei, nahm den Vorwurf der Mitgliedschaft zurück und machte daraus einen Vorwurf der Propaganda für diese Terrororganisationen. Als man am frühen Morgen den Einsatz in unseren Häusern durchgeführt hatte, wurde es auf eine Art gemacht, die man sonst von Einsätzen in Terrorzellen kennt. Aus vier Terrororganisationen wurden zwei, wobei gesagt wurde, dass ich der FETÖ geholfen und Propaganda für die PKK gemacht habe. Bereits nach der ersten Sitzung war diese Akte erledigt und ich wurde in den Punkten „freigesprochen“ (tr.: tahliye). Ich bin jemand, der sie (also die Gülen-Bewegung) seit 30 Jahren kritisiert. Ihr seid alle Zeuge: Kritisierte ich sie denn nicht auch damals, als die Regierung mit ihnen noch befreundet war? Hat selbst der Präsident nicht gesagt: „Ehrenwerter Hodscha, kommen Sie doch zurück, auf dass die Sehnsucht endet.“ Zu der Zeit, als er das sagte, kritisierte ich sie bereits; ihre Türkisch-Olympiaden zum Beispiel. Mich wollte man nun mit dem Vorwurf, ich hätte der FETÖ geholfen, ins Gefängnis schmeißen.

Von der ersten Akte wurde ich bereits nach der ersten Sitzung „freigesprochen“ (tr.: tahliye); das ist zweieinhalb Monate her. Dann kam die zweite Akte. Dieses Mal hieß es „kriminelle Vereinigung“. Sie dachten sich: „Lasst uns sie eine kriminelle Vereinigung nennen“. Mit dem Terrorvorwurf kamen sie ja nicht weit, deswegen nun „kriminelle Vereinigung“. Heute wurde ich auch diesbezüglich „freigesprochen“ (tr.: tahliye). Nach einem Jahr! Sie haben nicht einen Beweis… warum haben sie mich verhaftet, und nicht frei gelassen? Ein Vernehmen vor Gericht im verhafteten Zustand ist für Leute gedacht, die flüchten könnten. Und auch für Personen, zu deren Nachteil sehr viele und gute Beweise vorliegen, kann es auf diese Weise durchgeführt werden. Ich bin jedem bekannt; wohin soll ich denn flüchten? Egal wohin ich flüchten würde… man würde mich melden. Irgendwie haben sie geschafft, die Sache so laufen zu lassen. Es gibt nicht einen Beweis, die Akte ist leer. Wenn ich sie euch vorlesen würde, würdet ihr darüber lachen. Ihr wisst, wie viele Stockwerke unsere Stiftung hat: 4. In der Akte steht 7. Im Tresor waren 314000 Lira. In der Akte steht 364000. Es sind überall Fehler zu finden; eine völlig unsinnige Akte.

Heute vor Gericht habe ich gesprochen und der Richter hat auf „Freispruch“ (tr.: tahliye) entschieden. Ich sagte aber bereits vorher auch schon: Selbst wenn sie auf „Freispruch“ (tr.: tahliye) entscheiden, glaube ich nicht, dass sie dies tun, weil es die Gerechtigkeit erfordert. Sie haben auf „Freispruch“ (tr.: tahliye) entschieden, weil es die aktuelle Politik erfordert. Sie haben mich ohnehin aufgrund politisch-motivierten Gründen inhaftiert. Sie haben mich aus politischen Gründen festgenommen und deswegen auch wieder entlassen.

Die Ungerechten werden sich vor Allah verantworten. (Unterstützer von Alparslan Kuytul)

Auf diese Weise ist ein Jahr vergangen. Ich habe viel mitgenommen und ich hoffe auch ihr habt viel mitgenommen aus der Sache. Die, die verloren haben, sind sie. Die Sieger sind wir. Hoffentlich wird es als Buße für unsere Sünden angenommen. Hoffentlich wird Allah unseren Rang bei Ihm erhöhen. Folgendes wollte ich vor Gericht noch sagen, wenn der Richter mir die Möglichkeit gegeben hätte, ein letztes Wort zu sprechen. Beim Gericht für Terrorangelegenheiten konnte ich dies tun. Bei diesem Gericht aber ließ mich der Richter nicht viel sagen. Wenn er mir die Möglichkeit gegeben hätte, wollte ich sagen:

„Allen, die Teil dieser Falle, dieses Komplotts sind; von den oberen Rängen bis zu den unteren, die Richter und Staatsanwälte mitinbegriffen, werde ich nicht verzeihen. Ich werde keinem verzeihen. Wenn sie es unbewusst getan hätten, dann hätte ich ihnen verziehen. Ich hätte sagen können, dass sie auch Menschen sind und Fehler gemacht haben können. Doch sie haben es bewusst gemacht. Sie wissen ganz genau, dass ich mit Terror nichts zu tun habe. Der Vorsitzende einer Dienststelle bei der Polizei hat einen Bericht über mich. Auch das Amt der Terrorismusbekämpfung von Adana hat einen Bericht über mich. Berichte der Abteilung im Kampf gegen Organisierte Kriminalität (KOM), aus Mersin, aus Sakarya. Mehrere Sicherheitsbehörden haben Berichte darüber abgegeben, dass Alparslan Kuytul und die Furkan Stiftung nichts mit Terror zu tun haben. Und wir wussten gar nichts davon. Wir haben es aufgrund dieses Ereignisses erfahren. Sie haben 20000 Seiten an Akten zusammengestellt. 20000! Habt ihr denn überhaupt keine Gewissensbisse? Bin ich die PKK? Seid mal etwas gottesfürchtig! 20000 Seiten an Akte, komplett leer, was aussagekräftigen Inhalt angeht, und aus dieser Akte kam die Info hervor. Allah hat sie sich vertun lassen. Irgendwie kam es dort mit rein. Wenn sie es vorher entdeckt hätten, hätten sie es höchstwahrscheinlich daraus genommen. Allah hat uns mit ihren eigenen Händen entlastet. Es existieren also Berichte vom Geheimdienst des Staates und wir wussten das nicht einmal. Ich habe niemals in meinem Leben den Terror unterstützt. Bin ich jemand, der den Terror unterstützen würde? Mein Leben verging damit, den Koran zu erklären. Ihr seid Zeuge: Habe ich in meinen Vorträgen nicht mehrmals gesagt, dass Terror Haram ist? Du schmeißt die Bombe irgendwo hin und es ist ungewiss, wer von ihr getötet wird. Was ist das für ein Schwachsinn? Kann es solch ein Ziel im Leben geben? Wenn du dich vernünftig verteidigen willst, dann bitteschön. Was haben der Polizist und der Soldat denn für eine Schuld? Du tötest Polizisten und Soldaten. Du tötest unschuldige Menschen. Was ist das denn für ein Vorgehen? Kann es so eine Sache geben? Ich habe das mehrmals erklärt. Die Reden, die ich diesbezüglich mache, sind für jeden zugänglich. Ich habe gesagt so ein Vorgehen darf nicht sein; ich habe gesagt, dass es Haram ist… Trotzdem haben sie mich verleumdet.

Meine verehrten Geschwister, es ist kalt, lasst mich die Sache so langsam beenden. Ich möchte noch etwas ansprechen, das ich bereits am Telefon sagte. Hier hat einer unserer Brüder ein Schild mit der Aufschrift: „Keine Akte des Verbrechens, sondern des Mundtotmachens“ (Suc degil, sus dosyasi). Ja, dieser Satz stammt von mir, denn meine Akte ist keine Akte des Verbrechens. Sie ist eine Akte des Mundtotmachens. Sie sagen also, dass ich schweigen soll. Ich werde nicht schweigen! Je mehr die Unterdrückten schweigen, desto zügelloser werden die Unterdrücker. Als Muslim bin ich verpflichtet dazu, über die Tatsachen zu sprechen. Im Irakkrieg durftest du dich nicht zum Nachteil des irakischen Volks auf der Seite Amerikas positionieren. Du hast Haram begangen. Du kannst nicht dem amerikanischen Ungläubigen dabei helfen, die Muslime zu töten; das ist Haram! Ihr hättet nicht Schuld dafür sein dürfen, dass Syrien sich in seiner aktuellen Lage befindet. Ihr wisst, es gibt zahlreiche ähnlicher Angelegenheiten. Ich habe in diesen Angelegenheiten meine Sicht dargelegt und das habe ich mit einer guten Absicht getan. Ich habe das Falsche als falsch bezeichnet; und dazu bin ich verpflichtet. Ich habe die Pflicht zu sprechen, wenn, erstens, der Islam und die Muslime zu Schaden kommen; zweitens, jemandem Unrecht angetan wird. Warum hat Allah mir all dies gegeben, wenn ich nicht darüber sprechen soll, was ich weiß? Ich habe die Pflicht zu sprechen. Sie hingegen sagen, dass ich nicht sprechen soll. Wie ich soll nicht sprechen?! Im Irak sind 2 Mio. Menschen gestorben. In Syrien sind 1 Mio. Menschen gestorben. Du schießt das russische Kampfflugzeug ab, begehst damit einen Fehler, weil du unsere Heimat gefährdest. Deine guten Dienste habe ich hingegen gewürdigt. Ihr habt das Kopftuch-problem gelöst, und ich habe es gewürdigt. Ihr habt Palästina unterstützt; das habe ich gewürdigt. Ihr wart gegen den Putsch in Ägypten, so wie wir auch; auch das habe ich gewürdigt. In mehreren anderen Angelegenheiten habe ich eure Arbeit gewürdigt. Wenn ihr was Gutes tut, würdige ich das auch, so habt ihr das Unrecht bei den Abschlussnoten der Imam-Hatip-Schulen gelöst, das habe ich gewürdigt. Wenn du was Gutes tust, würdige ich es, und wenn du was Falsches tust, kritisiere ich das. Aber ihr wollt, dass ich eure Fehler nicht kritisiere. Nur Allah und Sein Gesandter sind fehlerfrei, wir alle machen Fehler. Wenn die Hodschas nicht die Wahrheit sprechen, wer dann? Sie haben sich aber an Leute gewöhnt, die nur vom Gebet und der Gebetswaschung predigen. Sie wollen keinen Gelehrten wie mich. Sie sagen quasi: „Erzähl vom Gebet und von der Gebetswaschung und misch dich in keine andere Sache ein!“ Der Islam hat auch eine politische Seite. Unser Prophet war ein Staatsoberhaupt. Er hat einen Staat geführt. Im Koran befinden sich Verse, die die Staatsführung betreffen. Erzählt der Koran denn nur vom Gebet und von der Gebetswaschung? Das ist es, was sie wollen. Einen Gelehrten, der von nichts anderem redet, außer vom Gebet und der Gebetswaschung. Er soll bloß nicht weitergehen. Er soll ihre Politik nicht kritisieren.

Ich mische mich ohnehin nicht überall ein. Was den Bau von Straßen und Staudämmen angeht… die Inflation ist gestiegen… Der Dollar ist explodiert… Das alles ist sowieso nicht mein Bereich. Meine Kritik betrifft nicht diese Angelegenheiten. Das kann vorkommen; es handelt sich hier um einen Staat. Manchmal kommt es vor, dass der Dollar steigt, manchmal, dass er sinkt. Manchmal kommt es zu einer Inflation. Manchmal gibt es einen neuen Staudamm, der seinen Zweck nicht erfüllt. Was weiß ich… manchmal baust du Straßen, die aber möglicherweise nicht gut sind. Um diese Dinge kümmere ich mich gar nicht. Was ist das also, was mich kümmert? Ich bin dazu verpflichtet, zu reden, wenn der Islam und die Muslime zu Schaden kommen. Und ich bin dazu verpflichtet, zu reden, wenn du einen Unterdrückten unterdrückt hast. Dies ist, was ich tue, ich rede nicht über andere Themen. Aber das wollen sie nicht!

Wie dem auch sei… wir haben nichts verloren, sondern viel dazugewonnen, so Allah will; sowohl ich, als auch ihr. Sie haben mich für 312 Tage alleine in eine Zelle gesteckt. Ich hatte schwere Zeiten, einige Tage waren besonders hart; Allah weiß es. Eine Zeit lang macht es einem nicht viel aus, aber nach einer gewissen Zeit fängt es an, seine Wirkung zu zeigen. Sie haben mich mit niemanden reden lassen. Sie haben mir keinen Fernseher gegeben. Sie haben mir keinen Zellengenossen gegeben. Sie haben mir kein Recht auf Unterhaltung mit anderen Insassen gegeben; kein Recht auf Sport. Sie haben mir viele meiner Rechte nicht gegeben. Ich war alleine in einer Zelle. 312 Tage lang.

Die Ungerechten werden sich vor Allah verantworten. (Unterstützer von Alparslan Kuytul)

Moment, Moment. Selbstverständlich werden sie sich vor Allah verantworten, wie jeder andere auch. Wie viele Anträge wir auch gestellt haben, sie haben es nicht bewilligt. Es gab welche, die lebenslänglich hatten; mein Nachbar zum Beispiel. Dort wird das so ausgedrückt: Nachbar. Meine Freunde, es gab welche mit Lebenslänglich und die waren zusammen, zu dritt oder zu viert. PKK-Anhänger mit Lebenslänglich. Ich bin ein Gelehrter, habe niemandem jemals auch nur eine Ohrfeige gegeben…

Herr Kuytul

Bitte

Ich bin Oberleutnant Kadir…  (Oberleutnant)

Ich bin sofort fertig, Herr Oberleutnant. (Alparslan Kuytul)

Was ich also sagen möchte, ist: Wir dürfen nicht feindlich zueinander sein. Was immer ich auch gesagt habe, habe ich gesagt für das Wohlgefallen Allahs. Ich habe nicht etwas gemacht, das all das, was mir widerfahren ist, rechtfertigen würde. Wie kann mir das angetan werden, was einem PKK-Anhänger nicht angetan wird? Sie sind zu viert, ich einzeln. Das waren inakzeptable Dinge. Doch mein Rabb war da. Ich war einzeln, aber nicht alleine, Allah sei Dank. Wenn ich kein Muslim gewesen wäre, wäre es möglicherweise sehr hart da drin gewesen. Wir sprechen hier nicht von 1, von 5, oder von 50 Tagen. Wenn man die Beziehung zu seinem Rabb nicht aufrechterhält, wird man es dort nicht aushalten. Jemand, der seit 14 Jahren dort ist, sagte mir: „Ich habe solche Menschen hier gesehen, die wegen der islamischen Dawa ins Gefängnis gekommen sind und später am Ende aber den Islam geleugnet haben.“ Sie haben ihn alleine gelassen und er ist durchgedreht. Wer weiß, was dort noch alles passiert.

Möge Allah zufrieden mit euch sein, ihr seid bis hier hergekommen, um mich zu empfangen, ich bedanke mich bei jedem von euch. Und auch dem Kommandanten, der Gendarmerie und der Polizei, die uns die Erlaubnis gegeben haben, möchte ich danken. Die Soldaten und Polizisten sind unsere Geschwister. Wir haben niemals ein Problem mit unseren Soldaten und Polizisten. Und jene, die einen Schuss auf sie abfeuern, sind auch unsere Feinde. Wir sind Menschen, die ihr Vaterland und ihr Volk lieben. Wir möchten so behandelt werden, wie wir es verdienen. Wir sind Menschen, die von den Tatsachen sprechen; das ist alles. Möge Allah mit euch zufrieden sein. Vielen Dank!

Unser Name ist Furkan, wir sind sauber. ( Unterstützer von Alparslan Kuytul)

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