Frankreich und der säkulare Extremismus

Teil 5: Islamfeindlichkeit

Islamfeindlichkeit hat das Herz der Politikagenda Frankreichs erreicht. So verlangte die Bildungsbehörde der Loiret-Region 2015 Eltern zu melden, die „offensichtlich religiöse Kleidung tragen“, den Behörden zu melden. In unserer Reihe wollen wir über die Verbrechen Frankreichs, ein Land, das sich dem säkularen Extremismus verpflichtet hat, berichten.

Nach dem Kalten Krieg brauchte Europa einen neuen Feind. Man musste davon ablenken, dass der Liberalismus, der Säkularismus und der Kapitalismus als System versagt haben. Die Schuld an der jetzigen Situation musste ein neuer Feind sein, dies ist nun der Islam.

So schrieb Robert Redeker in einem Artikel im Le Figaro 2006, dass die Gefahr gestern aus Moskau kam und „heute aus Mekka komme“. In dem Artikel sprach er davon, dass der Koran ein Buch des Hasses und der Gewalt sei, wobei sie denjenigen sind, die Gewalt und Hass auf der Welt säen, wie in anderen Artikeln dieser Reihe gezeigt wurde und noch gezeigt wird. Le Figaro ist das selbe Blatt, dass damals eine Hetzschrift gegen Juden „La France Juive“ von Edouard Drumont 1886 berühmt gemacht hat und heute veröffentlicht die Zeitung Hetzschriften gegen Muslime.

Und so ist Islamfeindlichkeit nicht seit dem 11. September und den darauffolgenden „Krieg gegen den Terror“ in Frankreich und Europa verbreitet, sondern schon seit der Kolonialzeit und früher. Der französische General und ehemalige Präsident Charles de Gaulle sagte einst in einer Rede am 5. März 1959:

Erzähl mir keine Geschichten! Muslime, bist du zu ihnen gegangen? Hast du sie mit ihren Turbanen und Jelabiyas beobachtet? Du kannst sehen, dass sie nicht französisch sind! Wer sich für Integration einsetzt, hat das Hirn eines Kolibris.

Nicht nur, dass Algerien und andere muslimische Länder durch Frankreich annektiert wurden, Muslime wurden auch offensichtlich diskriminiert. So erhielten 1944 christliche und jüdische Bewohner „französisch-algerisch“ als Staatsbürgerschaft, während nur eine Minderheit der Muslime die französische Staatsbürgerschaft erhielt.

Auch wurde während der Kolonialzeit versucht, gegen die Verschleierung der Frau vorzugehen. So wurde 1960 eine Kampagne in Algerien gestartet, um die muslimische Frau zu entkleiden.

Bist du nicht hübsch? Entschleiere dich! (Nimm dein Schleier ab!)

Der Kampf Frankreichs gegen den Islam und der Verschleierung der muslimischen Frau endete nicht mit der vorgegaukelten Beendigung der Kolonialisierung; er wurde weitergeführt. 1989 kam es zu unterschiedlichen Kopftuchaffären und 2004 und 2010 wurde das Kopftuch Verboten.

Eine der Hauptrollen in dieser islamfeindlichen Hetze spielte die wohlhabende Milliardärin Elisabeth Badinter und der Medienveteran Alain Finkielkraut. 1989 halfen sie dabei, einen offenen Brief an den damaligen Bildungsminister Lionel Jospin zu verfassen, in dem sie das Erlauben des Kopftuches für Schülerinnen mit der Kapitulation von Hitler verglichen. Auch sagte Frau Badinter:

„Wir sollten keine Angst davor haben, als Islamophobe bezeichnet zu werden“.

2004 war es soweit, der damalige Präsident Jacques Chirac (1995-2007) setze das Verbot für den Hijab in Schulen in Kraft, das ab dem 2. September 2004 gültig war.

Der Hass auf Muslime nimmt solche absurden Züge, dass beispielsweise im Mai 2016 ein 16-jähriges muslimisches Mädchen das Schulgelände nicht betreten durfte, weil sie einen langen schwarzen Rock trug, der als zu offensichtlich religiös angesehen wurde.

Jacques Chirac folgte ein anderer islamophober Präsident Nicolas Sarkozy (2007-2012). 2011 forderte er, dass Frauen in privaten Kindergärten das Tragen eines Schleiers untersagt werden sollte. Auch zeigte er seine Islamfeindlichkeit offen vor UMP-Parlamentariern. Er sagte, dass der Islam für „Unbehagen“ sorge und sagte: „Ich will noch weiter gehen: Ich will keine Minarette, keine Gebete auf öffentlichem Grundstück und keine Gebetsrufe in der Öffentlichkeit.“ 2016 hat er geschworen, das Tragen des Schleiers in der Öffentlichkeit zu verbieten und den Krieg gegen Burkinis mit neuem Eifer aufzunehmen. 2018 gehörte er zu etwa 300 Personen, die einen offenen Brief verfasst haben, in dem gefordert wurde, bestimmte Koranverse aus dem heiligen Buch zu streichen.

Was dürfen Muslime vom muslimischen Dachverband CFCM erwarten, der von Islamhasser Sarkozy gegründet wurde? So hat CFCM Sarkozy 2007 beim Wahlkampf Unterstützung zugesagt.

Nach Sarkozy war François Hollande der nächste Präsident, er regierte Frankreich von 2012 bis 2017. Er sagte 2016:

„Niemand zweifelt daran, dass Frankreich ein Problem mit dem Islam hat.”

Auch der Premierminister seiner Zeit Manuel Valls ritt auf der Welle der Islamophobie. Er sagte:

„Die verschleierte Muslimin von heute wird die Marianne von morgen sein“.

Marianne ist Frankreichs weibliche (und oft nackte) Verkörperung der Freiheit. Er versucht die rechte Rethorik zu kopieren, die sich gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes richtet.

Auch der aktuelle Präsident Frankreichs Emmanuel Macron lässt mit islamfeindlichen Aussagen nicht auf sich warten. So führte er im Oktober dieses Jahres ein Interview mit dem rechten Magazin „Valeurs actuelles“.

Der jetzige Präsident behauptet auch, das der radikale Islam für den Antisemitismus verantwortlich sei, obwohl gerade die Geburt des Antisemitismus ein westliches Problem war und immernoch ist.

Bernard Lewis, ein Historiker mit jüdischen Wurzeln, spricht darüber, wie der Begriff des Antisemitismus ein Produkt Europas ist und wie Juden in vorwiegend muslimisch besiedelten Ländern unter besseren Umständen ein freieres Leben führten.

Auch kam die Inspiration für den Terrorakt in Christchurch in Neuseeland aus Frankreich.

In dem 74-seitigen Manifest, das Brenton Tarrant vor dem Amoklauf veröffentlichte, lobt er den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik und stützt sich auf seine Arbeit, während er seine Bewunderung für den britischen Faschistenführer Oswald Mosley zum Ausdruck bringt. Aber französische Ideen ala Renaud Camus spielen bei Tarrant eine besondere Rolle.

Sein Manifest scheint sich auf die Arbeit des französischen Anti-Einwanderungs-Schriftstellers Renaud Camus zu stützen und den Titel seines Buches Le grand remplacement [„Der große (Bevölkerungs-)Austausch“] zu plagiieren.
Laut Mythos im Buch, gebe es einen geheimen Plan, die weiße Bevölkerung durch Muslime oder nicht-weiße Einwanderer auszutauschen. So argumentiert Tarrant:

„Millionen von Menschen strömen über unsere Grenzen … werden vom Staat und von Unternehmen dazu aufgefordert, die Weißen zu ersetzen, die sich nicht reproduzieren konnten. Diese Krise der Masseneinwanderung und der Fruchtbarkeit ist ein Angriff auf das europäische Volk, das, wenn es nicht bekämpft wird, letztendlich zum vollständigen rassistischen und kulturellen Ersatz des europäischen Volkes führen wird.“

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Teil 2: Salz aus Tunesien
Teil 3: Der afrikanische Fanc
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