Idlib – Aktuelle Lage

Idlib in Syrien liegt südlich der Türkei über Hama und links von Aleppo. Kurz nach Beginn des Bürgerkrieges hatte die Provinz zwei Millionen Einwohner. Nun sind dort schätzungsweise drei Millionen Menschen, die von anderen Gebieten aus Syrien dorthin geflüchtet sind. Dies belastete die dort immerhin schon schwere humanitäre Lage ein wenig mehr.


Wie entwickelte sich die Lage in Idlib?

Nach dem Eingriff Russlands in den syrischen Bürgerkrieg, schnitt das syrische Regime zunächst einzelne Rebellengebiete voneinander ab und nahm sie danach Gebiet für Gebiet ein.

Um zu verhindern, dass die in den jeweiligen Gebieten eingekesselten aussichtslosen Rebellen bis zum Tod erbittert weiterkämpfen, bot die syrische Regierung den Rebellen an, im Zuge der Gebiets- und Waffenaufgabe (bis auf eine leichte Waffe pro Kämpfer), sie zu einer anderen von Rebellen kontrollierten Gegend zu transportieren. Später wurde diese Option alleine auf Idlib begrenzt, sodass jegliche Rebellengruppen sich in Idlib versammelten, was zu einer Zahl von 40-50 Gruppen mit einer Gesamtkämpferzahl von ca. 50.000 Personen (10.000 davon HTS/An Nusra) zur Folge hatte. Diese Zusammenführung führte unter anderem dazu, dass die Rebellen sich noch vor einigen Monaten untereinander bekämpften.


Aktuelles Geschehen

Zurzeit ist die Provinz belagert von syrischen Truppen. Die Bodenoffensive hat jedoch noch nicht begonnen. Dies hat verschiedene Gründe. Aktuell versucht das Regime zusammen mit Russland durch Bombardement auf ländliche Gegenden an der Front, Druck auf die Rebellen auszuüben. Dadurch will man auch ein Versammeln der Rebellen an der Front verhindern.

Aufgrund der bevorstehenden Offensive sind aktuell über 30.000 Menschen auf der Flucht, die humanitäre Situation ist schlecht, jedoch hat sie noch nicht solch Szenarien, wie das einstige Aleppo angenommen. Man erinnere sich an die vollkommen eingekesselten Gebiete in Aleppo, wo sogar Menschen aufgrund dieser Einkesselung verhungerten.


Wie ist die Position der USA und des Westens?

Die USA ist hauptsächlich wegen des Fehlens des eigenen Einflusses gegen eine Bodenoffensive der syrischen Regierung in Kooperation mit Russland. Als Vorwand wird die humanitäre Lage genannt, auch wenn die Vereinigten Staaten selbst mit der gleichen Strategie etliche Gebiete im Nahen Osten angriffen.

Interessant ist, dass die USA immer wieder von Vergeltungsschlägen bei Chemiewaffenanschlägen sprechen, obwohl das syrische Regime und Russland dieser Wahrscheinlichkeit schon etliche Male widersprochen haben. Russland veranstaltete diesbezüglich sogar mehrere Pressekonferenzen, wo sogar detailliert erklärt wurde, wie die USA in Idlib einen Chemieangriff inszenierte, um selbst dort eingreifen zu können.

Die Haltung der USA gegenüber den Ereignissen in Idlib spiegelt sich auch in westlichen Medien wieder. Des Weiteren erhöht die USA auf Deutschland immer mehr den Druck, in Idlib Tornado-Aufklärungsflugzeuge einzusetzen. Sowohl Russland, als auch die USA erhöhten die Anzahl der Schiffe auf dem Mittelmeer.


Wobei war man sich bei dem Treffen zwischen dem Iran, der Türkei und Russland nicht einig?

Die Türkei, Russland und Iran verfolgen in Syrien zwiespältige Interessen. Russland möchte das von den USA hinterlassene Vakuum in der Region zu seinen Gunsten nutzen. Iran ist an der Seite Assads, um sich in Syrien Stützpunkte zu sichern. Die Türkei hingegen unterstützt „moderate“ syrische Rebellengruppen, die auch YPG/PYD, bzw. SDF in Schach halten sollen. Vor allem jedoch bangt man um eine Massenflucht über die Grenze, wenn die Assad-Offensive beginnt.

Bei einem Treffen der drei Staaten in Ankara betonte Rohani, dass es keine militärische Lösung für Syrien gebe. Die Faktenlage über die Haltung Irans bislang widerspricht jedoch der Aussage Rohanis. Rohani forderte zudem die Türkei auf, die eroberten Gebiete in Syrien zurückzugeben. Von der syrischen Regierung nicht erwünschte Nationen sollen das Land verlassen.

Einer der Differenzen der Staaten war auch, dass Erdogan nicht nur das Vorgehen gegen „Extremistenmilizen“, sondern auch das (schnelle) Vorgehen gegen „kurdischen“ Milizen forderte.


Warum verlegt die Türkei immer mehr Personal und Geräte an die Grenze?

Die Türkei ist derzeit aufgrund der wirtschaftlichen Situation und der Stimmung des Volkes (immer stärker werdender Nationalismus) schwer in der Lage weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Deswegen möchte man dies auch mit allen Mitteln verhindern. Zuletzt genossen Hashtags wie: #Suriyelilerdefolsun besondere Beliebtheit. Übersetzt heißt dies etwa: ,,Syrer sollen sich verziehen”. Die Türkei hat über Afrin bis zur Region Idlib hin ausgeweitet zwölf Militärstationen mit insgesamt 1.300 türkischen Soldaten.

Möge Allah unseren Geschwistern in Idlib beistehen, ihnen Kraft und Geduld geben und die Pläne der Ungerechten und Unterdrücker zum Guten wenden.

 

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