Massive Proteste erschüttern Indonesien: Wut über Politiker-Zulagen und Polizeigewalt

Das Land steht vor der größten Protestwelle seit Jahren. In Jakarta, Makassar, Bandung und anderen Städten sind Zehntausende Menschen, angeführt von Studierenden, Arbeitern und Aktivisten, auf die Straße gegangen, um gegen hohe Politiker-Zulagen, wirtschaftliche Ungleichheit und Polizeigewalt zu demonstrieren. Die Proteste, die am 25. August begannen, haben sich in den letzten Tagen dramatisch zugespitzt und stellen eine ernsthafte Herausforderung für die junge Regierung von Präsident Prabowo Subianto dar.

Auslöser der Proteste war die Ankündigung des Parlaments, Abgeordneten eine monatliche Wohnzulage von rund 2.600 Euro zu gewähren – ein Betrag, der für viele Indonesier einem Jahresgehalt entspricht. Gleichzeitig wurden Sparmaßnahmen im Gesundheits- und Bildungswesen sowie bei öffentlichen Bauvorhaben beschlossen, was die öffentliche Empörung weiter anfachte. „Wie können sich Politiker solchen Luxus leisten, während die Bevölkerung hungert?“, fragte ein Demonstrant in Jakarta, der anonym bleiben wollte.

Ein tödlicher Vorfall am 28. August in Jakarta verschärfte die Lage: Ein 21-jähriger Motorradtaxi-Fahrer wurde von einem gepanzerten Polizeifahrzeug überfahren und getötet. Videos des Vorfalls verbreiteten sich viral in den sozialen Medien, begleitet vom Hashtag #IndonesiaGelap („Dunkles Indonesien“), der millionenfach genutzt wurde. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse gegen Demonstranten ein, was zu schweren Zusammenstößen führte. Hunderte wurden festgenommen, zahlreiche verletzt.

In Makassar (Süd-Sulawesi) setzten Demonstranten am 29. August das Regionalparlament in Brand. Dabei kamen zwei Parlamentsmitarbeiter und ein Demonstrant ums Leben, fünf weitere Personen wurden verletzt. Weitere Brände wurden in West-Nusa-Tenggara, Pekalongan und Cirebon gemeldet, ebenso wie Plünderungen in Jakarta.

Präsident Prabowo Subianto, der sein Amt im Oktober 2024 antrat, sagte eine Reise zum SCO-Gipfel in China ab, um sich der Krise vor Ort zu widmen. In einer Stellungnahme verurteilte er die exzessive Polizeigewalt und kündigte eine Untersuchung des Todesfalls in Jakarta an. Sieben Polizisten wurden vorübergehend festgenommen. „Wir hören die Stimmen des Volkes und werden Lösungen finden”, sagte Prabowo. Kritiker werfen ihm jedoch vor, die Proteste durch umstrittene Gesetze, wie die Erweiterung ziviler Positionen für das Militär, sowie durch Steuererhöhungen von bis zu 250 %, mitverursacht zu haben.

Die Proteste spiegeln tiefere Frustrationen wider. Steigende Lebenshaltungskosten, Inflation und Sparmaßnahmen treffen die Bevölkerung hart, während Politiker in den sozialen Medien ihren luxuriösen Lebensstil zur Schau stellen. Bereits im März 2025 protestierten Studierende gegen Gesetze, die dem Militär mehr Einfluss in zivilen Bereichen geben. Dieses Thema ist heikel, da es Erinnerungen an die Diktaturzeit (1965–1998) weckt.

Am Samstag, dem 30. August, beruhigte sich die Lage vorübergehend, doch die Spannungen bleiben hoch. Menschenrechtsorganisationen fordern eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt und die Abschaffung der umstrittenen Zulagen. Die Regierung steht vor der Herausforderung, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, während die Proteste die Stabilität des Landes bedrohen.

„Die Menschen sind wütend, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Stimmen nicht gehört werden”, sagte ein Sprecher der All-Indonesian Students‘ Union (BEM SI). Ob die Regierung die Krise entschärfen kann, bleibt ungewiss. Indonesien steht an einem Scheideweg.

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