
Der massive Erwerb von Immobilien und Land durch israelische Investoren auf Zypern hat eine hitzige Debatte ausgelöst, die sowohl wirtschaftliche als auch sicherheitspolitische Fragen aufwirft. Stefanos Stefanou, Generalsekretär der zyprischen Partei AKEL, hat die Käufe scharf kritisiert und sie als Bedrohung für die nationale Souveränität bezeichnet. Dies hat zu Vorwürfen des Antisemitismus und einer angespannten diplomatischen Lage geführt.
Seit 2021 haben israelische Käufer fast 4.000 Immobilien auf Zypern erworben, insbesondere in den Regionen Larnaka, Limassol und Paphos. Viele dieser Käufe erfolgten über das umstrittene „Goldene Visum“-Programm, das ausländischen Investoren durch Immobilienerwerb eine Aufenthaltsgenehmigung ermöglicht. Laut Berichten konzentrieren sich die Käufe auf strategisch wichtige Standorte wie Häfen, Resorts und Gebiete in der Nähe militärischer Infrastruktur, darunter die britische Basis Akrotiri. Die Zahl der in Zypern lebenden Israelis ist von etwa 6.500 im Jahr 2018 auf geschätzte 15.000 im Jahr 2025 gestiegen. Dies hat die Debatte über die sozialen und geopolitischen Folgen dieser Entwicklung angeheizt.
In einer Rede auf einem AKEL-Kongress warnte Stefanou, dass die Käufe Teil eines „umfassenderen Plans” seien, der geschlossene Gemeinschaften, zionistische Schulen und Synagogen umfasse. „Wenn wir jetzt keine Maßnahmen ergreifen, gehört dieses Land bald nicht mehr uns“, sagte er und zog Parallelen zu historischen Landübernahmen in Israel. Seine Äußerungen stießen auf scharfe Kritik des israelischen Botschafters Oren Anolik, der sie als antisemitisch bezeichnete und von „dunklen Mustern kollektiver Schuld und Verschwörungstheorien“ sprach. AKEL wies die Vorwürfe zurück und verwies auf die Notwendigkeit, die Regierungspolitik, insbesondere das „Goldene Visum“-Programm, zu überprüfen.
Die Käufe bringen Zypern wirtschaftliche Vorteile, da israelische Investoren in Tourismuskomplexe, Hotels und gemischt genutzte Zentren investieren. Dennoch wachsen die Bedenken hinsichtlich der strategischen Implikationen. Die Nähe der erworbenen Flächen zu militärischen Standorten sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Zypern und Israel – einschließlich gemeinsamer Übungen – verstärken die Sorge, Zypern könnte zu einer „Satellitenenklave“ Israels werden. Zudem gibt es Berichte über antisemitische Rhetorik in den sozialen Medien, welche die soziale Kohäsion gefährdet.
Diese Kontroverse kommt vor den Parlamentswahlen im Juni 2025 auf, und die Partei AKEL nutzt das Thema, um Wähler zu mobilisieren. Präsident Nikos Christodoulides steht unter Druck, strengere Regelungen für ausländische Investitionen einzuführen. Experten warnen, dass diese Entwicklungen das ohnehin fragile geopolitische Gleichgewicht auf der Insel stören könnten – insbesondere mit Blick auf die Beziehungen zu den Garantiemächten Türkei und Griechenland.
Die zyprische Regierung steht vor der Herausforderung, wirtschaftliche Vorteile und nationale Interessen in Einklang zu bringen. Ob die Debatte zu konkreten politischen Maßnahmen führt, bleibt abzuwarten. Doch die Spannungen um die israelischen Landkäufe werfen ein Schlaglicht auf die komplexe Beziehung zwischen Zypern und Israel.
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