In der aserbaidschanischen Stadt Sumqayıt (Sumgayit) sind muslimische Schülerinnen wegen ihres Hijabs am Betreten einer Sekundarschule gehindert worden. Ein Video, das am 29. September 2026 in den sozialen Medien kursierte, zeigt mehrere Mädchen in Tränen, die die Schule Nr. 6 verlassen müssen. Der Vorfall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Einschränkungen religiöser Ausdrucksformen im säkularen Bildungssystem des Landes.
Nach Berichten lokaler und internationaler Medien wurden die Schülerinnen, die ihren Hijab entsprechend islamischer Praxis trugen, am Unterrichtsteilnahme gehindert. Die Schulleitung berief sich auf neue Vorschriften zur Schuluniform. Einige der Mädchen seien weinend abgezogen, so Augenzeugen und das verbreitete Videomaterial.
Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage nach einer Entscheidung des aserbaidschanischen Kabinetts der Minister vom 21. September 2026. Darin wurden die Regeln für die Schulkleidung in staatlichen Schulen verschärft: Kleidungsstücke, die die Einheitlichkeit der vorgeschriebenen Uniform stören oder „nicht dem Prinzip der Säkularität der allgemeinen Bildung entsprechen“, sind fortan untersagt. Der Hijab wird im Text nicht ausdrücklich genannt. Dennoch wird die Formulierung in der Praxis als Grundlage für Beschränkungen religiöser Kleidung interpretiert.
Aserbaidschan ist ein mehrheitlich muslimisches Land (überwiegend schiitisch) mit strikt säkularer Staatsordnung. Bereits im Frühjahr 2026 hatten Aktivisten und die Muslim Unity Movement von ähnlichen Fällen berichtet: An mehreren Schulen, darunter in Sumqayıt, Mehdiabad und Baku, sollen Schülerinnen und sogar Lehrerinnen wegen des Hijabs vom Unterricht oder Dienst ausgeschlossen worden sein. Manche dieser Maßnahmen wurden später teilweise zurückgenommen, an einzelnen Schulen hielten sie jedoch an.
Historisch gab es bereits 2010 Versuche einer landesweiten Beschränkung des Hijabs an Schulen, die nach Protesten abgemildert wurden. Kritiker sehen in den aktuellen Entwicklungen eine Fortsetzung der staatlichen Kontrolle über religiöse Praxis im öffentlichen Raum. Ein schiitischer Theologe, der die neuen Regeln öffentlich kritisierte, wurde in den Tagen nach dem Kabinettsbeschluss festgenommen.
Eltern und Glaubende fordern, dass muslimische Mädchen ihr Recht auf Bildung und religiöse Pflicht gleichzeitig wahrnehmen können. Der Hijab ist für viele muslimische Frauen und Mädchen Ausdruck ihres Glaubens und ihrer Identität – kein Verstoß gegen schulische Ordnung. Die neue Regelung und ihre Anwendung in Sumqayıt belasten die betroffenen Familien und werfen grundsätzliche Fragen nach Religionsfreiheit und Diskriminierung auf.
Islamicnews wird die weiteren Entwicklungen beobachten und berichten.
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