„Target List“ enthüllt: Rechtes Think-Tank spionierte Tausende Muslime aus

Ein rechtsgerichtetes US-Think-Tank hat über rund 20 Jahre hinweg systematisch Informationen über Tausende muslimische Amerikaner und muslimische Organisationen gesammelt. Das geht aus einem Bericht von HuffPost hervor, der in den vergangenen Tagen international für Aufsehen sorgt.

Das Middle East Forum (MEF) mit Sitz in Philadelphia – gegründet 1994 von Daniel Pipes – unterhielt eine umfangreiche Datenbank mit dem Namen „Counter-Islamism Research Clearinghouse“. Sie umfasste mehr als vier Millionen Datenpunkte. Darin fanden sich Einträge zu über 5.500 Personen und rund 10.600 Organisationen, darunter Moscheen, islamische Schulen, Unternehmen und Interessenvertretungen.

Zu den erfassten Informationen gehörten Namen und Aliasse, Social-Media-Profile, Steuerdaten, Unternehmensregister und Grundstücksangaben. Die Daten stammten laut dem MEF ausschließlich aus öffentlich zugänglichen Quellen. Dennoch ist der Umfang der Sammlung beispiellos: Nie zuvor wurde eine derart umfassende private Erfassung muslimischen Lebens in den USA dokumentiert.

Unter den erfassten Personen befinden sich auch prominente muslimische Politiker wie die Kongressabgeordneten Ilhan Omar, Andre Carson und Rashida Tlaib sowie Minnesota Attorney General Keith Ellison. Selbst Nicht-Muslime, die sich für muslimische Anliegen einsetzen, wurden teilweise als „Fellow Travelers“ (Mitläufer) kategorisiert – ein Begriff, der an die McCarthy-Ära erinnert.

MEF verteidigt die Sammlung
Nachdem HuffPost das Think-Tank mit den Erkenntnissen konfrontiert hatte, bestätigte das MEF die Existenz der Datenbank und kündigte an, sie künftig für Wissenschaftler, Journalisten und Forscher zugänglich zu machen.

Executive Director Gregg Roman erklärte, es handele sich um „ganz normale Forschung“. Man mappe ideologische Netzwerke, so wie andere Organisationen etwa antisemitische Akteure oder Extremisten erfassen. Das Ziel sei die Abwehr von „lawful Islamism“ – also legal operierendem Islamismus – und der Schutz westlicher Werte.

Scharfe Kritik aus der muslimischen Community und von Bürgerrechtlern
Zivilgesellschaftliche Organisationen und Forscher sehen das völlig anders.

Mobashra Tazamal von der Bridge Initiative der Georgetown University bezeichnete die Datenbank als mögliche „Ziel-Liste“ (target list). Sie könnte dazu dienen, Muslime zu überwachen, einzuschüchtern oder gezielt unter Druck zu setzen – besonders in einem politischen Klima, in dem islamfeindliche Rhetorik zunimmt.

Auch der Southern Poverty Law Center äußerte sich besorgt. Das Middle East Forum wird von zahlreichen Bürgerrechtsgruppen seit Jahren kritisiert, Islamophobie zu fördern und Fehlinformationen über den Islam und Muslime zu verbreiten.

Ein gefährlicher Präzedenzfall
Für viele muslimische Amerikaner ist die Enthüllung mehr als nur eine abstrakte Datenschutzfrage. Sie erinnert an frühere staatliche Überwachungsprogramme nach dem 11. September und an die anhaltende Stigmatisierung der muslimischen Community.

Während das MEF betont, lediglich öffentliche Daten zusammengetragen zu haben, bleibt die zentrale Frage: Warum wird eine ganze religiöse Minderheit über zwei Jahrzehnte hinweg systematisch katalogisiert – und wer entscheidet, wer als „Islamismus-nah“ gilt?

Die Enthüllung wirft ein Schlaglicht auf die anhaltende Spannung zwischen Sicherheitsdiskurs und den Bürgerrechten muslimischer Amerikaner. Ob die jetzt angekündigte Öffnung der Datenbank tatsächlich Transparenz schafft oder die Sammlung weiter normalisiert, bleibt abzuwarten.

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