Wuppertal: Deutschlands erster muslimischer Friedhof in eigener Trägerschaft

Nach mehr als 15 Jahren Planung und Wartezeit ist es amtlich: Deutschland bekommt seinen ersten muslimischen Friedhof, der vollständig von Muslimen getragen, betrieben und verwaltet wird. Am 28. April 2026 übergab Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) gemeinsam mit Baudezernent Gunnar Ohrndorf die Baugenehmigung an Samir Bouaissa, den Vorsitzenden des Trägervereins „Muslimische Friedhöfe Wuppertal“. Der Spatenstich für den ersten Bauabschnitt ist für den Herbst 2026 geplant, die ersten Bestattungen sollen im Frühjahr 2027 möglich sein.

Ein Novum in Deutschland
Bisher existieren in vielen deutschen Städten muslimische Grabfelder auf kommunalen Friedhöfen. Einen kompletten Friedhof in freier muslimischer Trägerschaft gab es jedoch noch nicht. Möglich wurde das Projekt erst durch die Änderung des nordrhein-westfälischen Bestattungsgesetzes im Jahr 2014. Seitdem können auch religiöse Vereine eigene Friedhöfe betreiben.

Der Verein „Muslimische Friedhöfe Wuppertal“ wurde 2015 gegründet. Zehn Moscheegemeinden der Stadt – über Verbands- und Herkunftsgrenzen hinweg – haben sich darin zusammengeschlossen. Das rund 19.000 Quadratmeter große Gelände an der Krummacherstraße im Stadtteil Varresbeck lag zuvor im Besitz der evangelischen Kirche und grenzt unmittelbar an einen christlichen und einen jüdischen Friedhof. Damit entsteht bundesweit einzigartig eine direkte Nachbarschaft der drei abrahamitischen Religionen.

„Heimat ist dort, wo auch die Ahnen begraben sind“, sagte Samir Bouaissa bei der Übergabe der Genehmigung. Viele Muslime in Deutschland sähen die Bundesrepublik inzwischen als ihre dauerhafte Heimat und wollten sich nicht mehr in die Herkunftsländer überführen lassen. In Wuppertal leben schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Menschen muslimischen Glaubens – etwa elf Prozent der Bevölkerung.

Parkähnlich und interreligiös
Der Friedhof soll parkähnlich mit hohem Grünanteil gestaltet werden und auch den Anwohnern als Erholungsraum dienen. Geplant ist ein „Platz der Begegnung“ am Eingang, der über die Bestattungsbräuche der drei Religionen informiert. Die Stadt will dafür Fördergelder des NRW-Heimatmuseums beantragen.

Islamische Bestattungsriten werden strikt eingehalten: Die Verstorbenen werden in Tüchern und nicht im Sarg beigesetzt, die Gräber sind nach Mekka ausgerichtet, und es gilt das sogenannte Ewigkeitsrecht – Gräber werden nicht nach einer bestimmten Frist aufgelöst. Im ersten Bauabschnitt entstehen Platz für rund 1.000 Gräber. Insgesamt soll das Areal bis zu 1.200 Bestattungsplätze bieten. Gebäude für die rituelle Waschung und das Totengebet sind vorgesehen.

Finanzierung und lange Vorgeschichte
Die Kosten belaufen sich auf etwa 900.000 bis eine Million Euro und werden überwiegend durch Spenden gedeckt. Die Stadt Wuppertal steuert rund 200.000 Euro bei. Der evangelische Kirchenkreis, die jüdische Gemeinde und der Wupperverband begleiten das Vorhaben positiv.

Die Idee entstand bereits um das Jahr 2008. Damaliger Oberbürgermeister Peter Jung setzte sich für die nötige Gesetzesänderung ein. Der Grundstückskauf vom evangelischen Kirchenkreis erfolgte 2015 bzw. 2020. Verzögerungen durch Finanzierungsschwierigkeiten, Starkregen und notwendige Gutachten (Artenschutz, Boden, Wasserhaltung) verzögerten den Bauantrag bis 2025. Nun ist der Weg frei.

Oberbürgermeisterin Miriam Scherff sprach von einem „einmaligen Projekt in Deutschland“ und einem Ausdruck der Vielfalt: „Wir sind eine Stadt, die allen Bürgerinnen und Bürgern ein Zuhause ist – von der Geburt bis zum Tod.“

Mit dem Baubeginn im Herbst 2026 und den ersten Bestattungen 2027 wird ein langes Kapitel der Planung abgeschlossen – und ein neues Kapitel muslimischen Lebens in Deutschland aufgeschlagen.

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