Islamfeindlichkeit: Die Medien und der ausgestreckte Zeigefinger

Malcolm X sagte einst:

„Die Medien sind das mächtigste Gebilde der Welt. Sie haben die Macht, die Unschuldigen schuldig und die Schuldigen unschuldig aussehen zu lassen, und genau das ist Macht. Weil sie den Verstand der Massen kontrollieren.“

Und so wurden drei muslimische Jugendliche von den Medien verurteilt und haben infolge der Hetze ihren Job verloren.

Die drei Jugendlichen haben im Düsseldorfer Flughafen gearbeitet und waren auf einem Foto mit erhobenem Zeigefinger zu sehen. Die Bild betitelte dies am Freitag mit „ISIS-GRUß AM DÜSSELDORFER FLUGHAFEN – Islamisten-Alarm auf dem Rollfeld“. Andere Zeitungen und Medienanstalten sprangen umgehend darauf auf und titelten unter anderem „Düsseldorf: Flughafen-Mitarbeiter zeigen „IS-Gruß“ (RTL), „IS-Gruß am Düsseldorfer Flughafen – drei Mitarbeiter gefeuert!“ (Focus) sowie „Drei Flughafenmitarbeiter zeigen IS-Gruß und werden daraufhin entlassen“ (Stern). Sogar die österreichische Krone titelte „Flughafen-Mitarbeiter zeigen IS-Gruß: Rauswurf!“.

Der Staatsschutz hat sofort Ermittlungen aufgenommen und es wurden Gefährderansprachen durchgeführt. Die Entscheidung zur Kündigung der Mitarbeiter bleibt bestehen, obwohl laut Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft „das Zeigen des erhobenen Zeigefingers keinen Straftatbestand erfüllt“.

Dies ist nicht das erste Mal, bei dem gegen den erhobenen Zeigefinger von Muslimen in den deutschen Medien gehetzt wird. Dass er ein „IS-Gruß“ wäre, erwähnte zuvor bereits der vermeintliche „Islamexperte“ Hamad Abdel-Samad, der bis heute immer wieder in Talkshows als solcher dargestellt wird. Nach einer im Juli 2015 in der ARD ausgestrahlten Dokumentation, in dem auf einem Foto ein Jugendlicher und ein Vorstandsmitglied des Moscheevereins DITIB im nordrhein-westfälischen Dinslaken den erhobenen zeigen, gab es große Empörung. Für die Frankfurter Allgemeine war der erhobene Zeigefinger eine Geste von Salafisten. So betitelte die Zeitung einen ihrer Artikel mit „DSCHIHADISTEN IN DINSLAKEN: Mit dem Gestus der Salafisten“. Wegen des medialen Drucks ist damals das Vorstandsmitglied zurückgetreten.

Der erhobene Zeigefinger wurde nicht nur in Deutschland als Objekt missbraucht, um einen islamfeindlichen Angriff auf Muslime zu starten. Auch in einer Panorama-Dokumentation von Stacey Dooley 2016 für die BBC wurde der erhobene Zeigefinger als „IS-Gruß“ bezeichnet. Dabei hat die BBC sich mit den nachfolgenden Worten entschildigt: „Wir hätten uns darüber im Klaren sein müssen, dass viele Menschen muslimischen Glaubens diese Geste benutzen, um die Einheit Allahs auszudrücken. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler und haben diese Beschreibung aus dem Filmmaterial entfernt.“ Dennoch wurde später in vielen Artikeln von „The Mirror“ und „The Sun“ weiterhin der erhobene Zeigefinger als „IS-Gruß“ bezeichnet.

Ein weiteres Beispiel ist der Angriff auf Linda Sarsour, nachdem sie einen Frauenmarsch gegen Donald Trump mitorganisiert hatte. Überall wurde ein Bild von ihr mit erhobenem Zeigefinger in den Sozialen Medien gepostet, als angeblicher Beweis für die Sympathie zum IS. Muslime solidarisierten sich damals mit Linda Sarsour mit dem Hashtag #IMarchWithLinda auf Twitter und es wurde zur Unterstützung eine Petition gestartet.

Wer den erhobenen Zeigefinger von Muslimen als „IS-Gruß“ deklariert, könnte genauso gut auch das Tragen der Deutschlandfahne als Pegida-Flagge deklarieren.

Der erhobene Zeigefinger wird von Muslimen als Zeichen des Glaubens an den einen, einzigen Gott, der keine Partner hat, verwendet. So wird er sogar in den Gebeten beim Aussprechen der Schahada angehoben.

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