Israel finanziert Schein-Thinktank, um KI-Chatbots zu beeinflussen

Eine investigative Recherche des britischen „Guardian“ hat aufgedeckt, dass die israelische Regierung über Tarnfirmen massiv in Inhalte investiert, die gezielt darauf ausgelegt sind, die Antworten von KI-Chatbots zu Israel und dem Gaza-Krieg zu prägen.

Im Zentrum der Aktion steht die Website des „Hanover Institute for Public Policy“. Zwischen dem 6. und 14. August 2026 veröffentlichte die Seite 124 Berichte mit insgesamt mehr als 560.000 Wörtern – durchschnittlich rund 4.500 Wörter pro Text. Allein an zwei Tagen, dem 12. und 13. August, erschienen 73 Beiträge mit fast 354.000 Wörtern.

Die Texte sind im akademischen Stil verfasst, enthalten Fußnoten, Tabellen und Verweise auf Quellen wie UN-Agenturen, die Weltbank oder Amnesty International, aber auch auf israelische Regierungsstellen. Fast alle Überschriften sind als Fragen formuliert, die typischen Nutzeranfragen an Chatbots ähneln: „Begeht Israel in Gaza einen Völkermord?“, „Ist Antizionismus Antisemitismus?“ oder „Gibt es in Gaza eine Hungerpolitik?“

Das Institut selbst existiert jedoch nicht als echte juristische Person. Es verfügt über keine physische Adresse, nennt keine Mitarbeiter und veröffentlicht die Berichte ohne Autorenangaben. Die Nutzungsbedingungen verweisen lediglich vage auf „den Staat, in dem das Institut gegründet wurde“.

Laut US-Behördendokumenten wird das Material von der New Yorker Agentur Piro Inc. erstellt und verbreitet. Piro arbeitet als Subunternehmer für die Werbegruppe Havas Media im Auftrag der israelischen Regierungs-Werbeagentur LaPam. Die Tätigkeit ist unter dem Foreign Agents Registration Act (FARA) beim US-Justizministerium registriert. Die Verträge umfassen Beträge in Höhe von mehreren hunderttausend Dollar.

Die Website nutzt Technologie einer Firma, die ausdrücklich damit wirbt, Inhalte so zu optimieren, dass sie von Systemen wie ChatGPT, Perplexity, Claude oder Gemini zitiert werden. Analysten sprechen von „Generative Engine Optimization“ – einer Weiterentwicklung der klassischen Suchmaschinenoptimierung für KI-Modelle. Mehrere Tests deuten darauf hin, dass Teile der Texte selbst mit künstlicher Intelligenz erzeugt wurden.

Der Guardian und weitere Medien wie Politico und 404 Media sehen die Aktion als Teil einer größeren, mit mehreren zehn Millionen Dollar finanzierten israelischen Kommunikationskampagne. Ziel sei es, die internationale Wahrnehmung Israels – insbesondere in den USA – zu verbessern und Chatbots bei kontroversen Fragen die offizielle israelische Darstellung näherzubringen.

In ersten Tests griffen ChatGPT und Perplexity teilweise bereits auf Material des Hanover Institute zurück. Andere Überprüfungen konnten diesen Effekt nicht durchgängig bestätigen. Die Website hat nach dem Bekanntwerden der Recherche ihre Publikationstätigkeit offenbar stark eingeschränkt.

Experten warnen, dass solche gezielten Content-Kampagnen die Neutralität von KI-Systemen untergraben könnten. Gleichzeitig betonen Vertreter der beteiligten Firmen, man stelle lediglich „faktische, quellenbasierte Informationen“ zur Verfügung.

Die Enthüllung wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Bedeutung von KI-Antworten in der öffentlichen Meinungsbildung – und auf die neuen Mittel, mit denen Staaten versuchen, diese zu beeinflussen.

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