Geheime Geofencing-Kampagne: Israel wollte in US-Kirchen das Bild der Palästinenser verändern

_lowlight

Im September 2025 reichte die kalifornische Firma Show Faith by Works LLC beim US-Justizministerium eine FARA-Registrierung ein. Auftraggeber war das israelische Außenministerium. In den Dokumenten stand das Ziel der Kampagne unmissverständlich formuliert:

„positive Assoziationen mit dem Staat Israel zu erhöhen und die palästinensische Bevölkerung mit extremistischen Gruppierungen zu verknüpfen.“

Übersetzt bedeutet das: Die Einstellung amerikanischer Christen zu Israel sollte verbessert und die Palästinenser zugleich systematisch mit Terror und Extremismus in Verbindung gebracht werden.

Dazu plante die Firma die „größte Geofencing-Kampagne an christlichen Kirchen in der US-Geschichte“. Virtuelle Grenzen sollten um Hunderte Kirchen und christliche Colleges in Kalifornien, Arizona, Nevada und Colorado gezogen werden. Während der Gottesdienste sollten Smartphones erfasst und die Besitzer anschließend mit entsprechenden Werbeanzeigen weiterverfolgt werden.

Die Zahlen aus der Anmeldung: 219 Kirchen in Kalifornien, 38 in Arizona, 32 in Colorado und 14 in Nevada. Erreichte Personen: nahezu vier Millionen Christen. Erwartetes Ergebnis: mehr als 100.000 „Gewonnene“.

Keine der betroffenen Gemeinden war vorher informiert oder um Zustimmung gebeten worden. Mehrere Kirchen erklärten später öffentlich, sie hätten von der Aktion nichts gewusst und würden sich nicht beteiligen.

Das Vorhaben löste scharfe Kritik aus – auch unter Christen. Viele sahen darin einen Eingriff in die Religionsfreiheit und eine gezielte politische Beeinflussung gläubiger Menschen an ihrem Versammlungsort.

Ende November 2025 erklärte der Firmengründer Chad Schnitger, man habe das Geofencing aus „Sicherheitsgründen“ aufgegeben. Die ursprüngliche Beschreibung sei teilweise ein „Pitch Deck“ gewesen. Die Zahlungen aus Israel liefen dennoch weiter. Bis März 2026 waren bereits über 2,5 Millionen Dollar geflossen.

Die Kampagne verlagerte sich später auf mobile Ausstellungen und Bibelstudienprogramme. Das ursprüngliche Ziel aus den FARA-Dokumenten blieb jedoch dokumentiert: positive Israel-Bilder erzeugen und Palästinenser mit Extremismus verknüpfen.

Eine ausländische Regierung hatte geplant, amerikanische Kirchgänger digital zu erfassen und politisch zu beeinflussen – ohne deren Wissen. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie weit darf eine fremde Macht gehen, wenn sie die Einstellungen von Gläubigen in den USA formen will? Und wo endet legitime Öffentlichkeitsarbeit und beginnt gezielte Propaganda an religiösen Orten?

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*