Französinnen starten Solidaritätsaktion gegen geplantes Kopftuchverbot

Als Reaktion auf Pläne des rechtsextremen Rassemblement National (RN) für ein weitreichendes Kopftuchverbot haben zahlreiche französische Frauen eine Online-Solidaritätskampagne gestartet. Sie posten auf Social-Media-Plattformen Fotos und Videos von sich selbst mit Kopftuch oder Hijab und bekunden damit ihre Unterstützung für muslimische Frauen.

Anlass sind Aussagen des RN-Abgeordneten Jean-Philippe Tanguy sowie Ankündigungen von Parteichefin Marine Le Pen. Sollte der RN die Präsidentschaftswahl 2027 gewinnen, wolle man ein Referendum über ein Verbot des islamischen Kopftuchs („voile“) im gesamten öffentlichen Raum abhalten. Verstöße sollen mit Geldstrafen geahndet werden – vergleichbar mit dem Nichtanlegen des Sicherheitsgurts, also rund 130 Euro.

In den vergangenen Tagen teilen Frauen, die normalerweise kein Kopftuch tragen, Bilder von sich mit Kopfbedeckung. Typische Kommentare lauten: „Zur Unterstützung aller unserer Mitbürgerinnen, die Kopftuch tragen“ oder „Wenn dieses Gesetz kommt, trage ich sofort eines.“ Manche veröffentlichen sogar Anleitungen zum Binden des Tuchs. Die Aktion wird unter Begriffen wie „Tousvoilés“ geteilt.

Frankreich kennt bereits Einschränkungen religiöser Symbole: Seit 2004 sind auffällige Zeichen wie das Kopftuch an öffentlichen Schulen verboten, Staatsbedienstete dürfen im Dienst keine sichtbaren religiösen Symbole tragen, und seit 2010 gilt ein Verbot der Gesichtsschleier (Burka/Niqab) im öffentlichen Raum. Ein generelles Verbot auf Straßen, in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln wäre eine deutliche Ausweitung. Verfassungsrechtler halten eine solche Regelung für rechtlich problematisch und schwer umsetzbar.

Die Kampagne ist vor allem digital und spontan entstanden. Unterstützerinnen betonen, es gehe um Religionsfreiheit und gegen die Stigmatisierung muslimischer Frauen. Kritiker des RN-Vorschlags werfen der Partei vor, gezielt eine Bevölkerungsgruppe zu diskriminieren. Umfragen deuten allerdings darauf hin, dass eine Mehrheit der Franzosen ein Kopftuchverbot im öffentlichen Raum befürwortet.

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl ist für April 2027 geplant.

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