Nach Drohung vom Chefberater Erdoğans, Oktay Saral: Festnahme von Alparslan Kuytul Hocaefendi

Heute Morgen (19. August 2026) führte die türkische Polizei in Adana und weiteren Städten eine großangelegte Operation gegen die Furkan-Bewegung/Furkan Vakfı durch.

Dabei wurden der Gründer und Leiter der Bewegung, Alparslan Kuytul Hocaefendi, sowie seine Frau Semra Kuytul Hocahanim in ihrem Haus im Stadtteil Seyhan/Reşatbey in Adana festgenommen. Auch der Anwalt von Alparslan Kuytul Hocaefendi sowie zahlreiche weitere Mitglieder und Unterstützer der Bewegung – laut Angaben rund 32 Personen – wurden in Adana und mindestens fünf weiteren Provinzen an insgesamt 49 Adressen in Gewahrsam genommen. Es gab Durchsuchungen und die Festgenommenen wurden zunächst zur Gesundheitskontrolle und anschließend zur Polizei gebracht.

Justizminister Akın Gürlek erklärte, die Ermittlungen würden von der Adana Cumhuriyet Başsavcılığı (Staatsanwaltschaft von Adana) geführt. Laut „birgün.net” lauten die Vorwürfe unter anderem:

– Gründung und Leitung einer kriminellen Organisation,
– Mitgliedschaft in einer solchen Organisation,
– Geldwäsche,
– qualifizierter Betrug,
– Urkundenfälschung,
– Verstöße gegen das Steuerrecht.

Bereits in der Vergangenheit wurde versucht, die Bewegung durch Druck, Ermittlungen, Operationen und erfundene Vorwürfe einzuschüchtern und ihren Anhängern Angst einzujagen (u. a. 2018 und 2022). Die 136 Freisprüche im Laufe der vergangenen Jahre zeigen, dass die gegen die Furkan-Bewegung erhobenen Beschuldigungen in rechtlichen Verfahren keinen Bestand hatten.

Laut T24 Haber wurden fünf Firmen unter treuhänderische Verwaltung gestellt und der Zugang zu 349 Social-Media-Konten gesperrt, die angeblich zugunsten der Organisation aktiv waren. Die Behörden behaupten, es gehe um konkrete Straftaten und finanzielle Delikte und nicht um die religiöse Überzeugung an sich.

Die Bewegung und ihre Anhänger sprechen von einer politisch motivierten, morgendlichen Razzia ohne gültigen Haftbefehl sowie von einer gezielten Aktion. Sie verweisen darauf, dass Alparslan Kuytul Hocaefendi kurz zuvor eine Operation gegen die „Süleymancılar“ (Anhänger der Süleyman-Hilmi-Tunahan-Bewegung) kritisiert habe. Daraufhin sei er vom Präsidentenberater Oktay Saral mit den Worten „Suyun ısındı, sıra sana gelecek“ („Dein Wasser wird heiß, du bist als Nächstes dran“) angesprochen worden. Videos vom Festnahmevorgang sowie Proteste vor der Polizei in Adana kursieren.

Alparslan Kuytul Hocaefendi hat sich kurz zuvor (Mitte August 2026) zu einer laufenden Polizei-Operation gegen die „Süleymancılar” (Anhänger der Süleyman-Hilmi-Tunahan-Bewegung unter Alihan Kuriş) geäußert.

In einer Rede bzw. einem Video vom 14. August 2026 äußerte er sich auf eine Frage zur Operation unter anderem wie folgt:

– Die „Süleymancılar” hätten jahrelang nicht die AKP gewählt und zeitweise sogar die CHP unterstützt. Hätten sie der Regierung nahegestanden, wäre ihnen das nicht passiert.

– Es ist unklar, ob wirklich schwere finanzielle Straftaten vorliegen oder ob die Operation eine Bestrafung für politische Opposition ist.

– Wenn sie unschuldig sind, sollten sie nicht kapitulieren, sondern Widerstand leisten und ihre Hoca verteidigen.

– Der Staat und die Regierung müssen lernen, dass sie nicht jede Gemeinschaft zum Schweigen bringen und überall Kayyım (Zwangsverwalter) einsetzen können. Wer an der Spitze einer Cemaat steht, ist nicht Sache des Staates.

Am 18. August 2026 antwortete der Präsidentenberater Oktay Saral auf X sehr scharf, bezeichnete Kuytul als „Din bezirgânı, bozguncu” (Religionshändler, Unruhestifter) und schrieb unter anderem:

„Senin de suyun yeterince ısındı, Kuytul! Akıllanmamışsın, sıra sana da gelecek!“
(„Auch dein Wasser ist inzwischen heiß genug, Kuytul! Du hast nicht dazugelernt, du bist bald an der Reihe!“

Genau einen Tag später, am 19. August, folgte die Operation gegen die Furkan-Bewegung. Die Furkan-Anhänger sehen darin einen direkten Zusammenhang mit ihrer Kritik und Sarals Androhung.

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