Ab dem kommenden Schuljahr 2026/27 dürfen muslimische Mädchen unter 14 Jahren an Österreichs Schulen kein islamisches Kopftuch mehr tragen. Das Verbot gilt für öffentliche und private Schulen und betrifft ausdrücklich Kopfbedeckungen, „die das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllen“. Bei wiederholten Verstößen drohen den Eltern Verwaltungsstrafen von 150 bis 800 Euro.
Das Gesetz wurde im Dezember 2025 vom Nationalrat mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ und NEOS beschlossen. Die Regierung begründet die Maßnahme mit dem „Schutz von Mädchen“ und spricht vom Kopftuch als Symbol der Unterdrückung. Integrationsministerin Claudia Plakolm (ÖVP) erklärte, kein Mädchen solle damit aufwachsen, dass sein Körper versteckt werden müsse.
Für viele muslimische Familien und Organisationen ist das Verbot jedoch ein direkter Eingriff in die Religionsfreiheit. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) und andere muslimische Verbände haben das Gesetz scharf kritisiert und vor einer Stigmatisierung muslimischer Mädchen und Familien gewarnt. Sie sehen darin eine unzulässige Einschränkung der Glaubensausübung und befürchten, dass das Verbot den gesellschaftlichen Zusammenhalt weiter belasten wird.
So läuft die Durchsetzung ab
Lehrkräfte sind verpflichtet, Verstöße sofort zu melden. Zunächst folgt ein Gespräch mit der Schulleitung und den Eltern. Bei weiterem Tragen des Kopftuchs wird die Bildungsdirektion eingeschaltet. Erst danach drohen die Geldstrafen. Wird die Strafe nicht bezahlt, kann eine Ersatzfreiheitsstrafe von bis zu zwei Wochen verhängt werden. Das Verbot gilt auf dem gesamten Schulgelände, nicht jedoch bei Ausflügen oder Veranstaltungen außerhalb der Schule.
Bereits seit Februar 2026 läuft eine Aufklärungsphase. Mit dem Schulstart im September 2026 beginnt die eigentliche Sanktionsphase. Viele Schulen und muslimische Gemeinden bereiten sich auf mögliche Konflikte vor.
Ein früheres Kopftuchverbot an Grundschulen aus dem Jahr 2019 war vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben worden. Ob die neue Regelung verfassungskonform ist, wird voraussichtlich erst nach den ersten Strafbescheiden geklärt. Muslimische Organisationen haben bereits angekündigt, den Rechtsweg zu prüfen.
Kritiker aus muslimischen Kreisen betonen, dass das Kopftuch für viele Mädchen und Frauen Ausdruck ihrer religiösen Identität und freien Entscheidung sei – und kein Symbol der Unterdrückung. Sie fordern Respekt vor der Religionsfreiheit und warnen davor, muslimische Kinder und Eltern unter Generalverdacht zu stellen.
Das Gesetz tritt in wenigen Wochen in Kraft. Für zahlreiche muslimische Familien in Österreich bedeutet das eine unmittelbare Herausforderung für den kommenden Schulalltag.
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