Die Universitätsmedizin Rostock (UMR) hat einen Oberarzt mit sofortiger Wirkung freigestellt. Der Mediziner hatte über längere Zeit in sozialen Netzwerken rassistische, gewaltverherrlichende und menschenverachtende Kommentare veröffentlicht, die sich klar gegen Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund richteten.
Bekannt geworden sind die Äußerungen durch den Instagram-Account „Hogesatzbau“, der Screenshots veröffentlichte. Darin finden sich Formulierungen wie „remigrieren oder kremieren“, die Bezeichnung von Menschen als „Heizmasse“ mit dem Zusatz „Remigrieren oder Lager“ sowie die rassistische Beschimpfung „Ölaugen“, verbunden mit der Androhung von Schüssen („6×6 in die Stirn“), falls sie ihn oder seine Familie bedrohten. Auch Gewaltfantasien gegenüber Politikern waren darunter.
Die Klinikleitung konfrontierte den Arzt mit den Vorwürfen. Er bestätigte mündlich, die Beiträge verfasst zu haben. Daraufhin erfolgte die sofortige Freistellung. Die Universitätsmedizin prüft weitere arbeitsrechtliche und strafrechtliche Schritte und hat Strafanzeige erstattet.
In einem internen Schreiben an die Belegschaft betonte der Vorstand unmissverständlich: Aussagen, die Gewalt gegen Menschen billigen oder Personengruppen herabwürdigen, sind mit den Grundsätzen der Klinik unvereinbar. „Menschlichkeit, Respekt, Verantwortung und der Schutz des Lebens gehören zu unseren grundlegenden Werten.“ Alle Patientinnen und Patienten – unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht oder Weltanschauung – müssten dieselbe Behandlung und Zuwendung erhalten. Beschäftigte und Patienten, die Diskriminierung erlebt oder beobachtet haben, werden aufgefordert, sich vertraulich zu melden.
Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD) verurteilte die Äußerungen scharf als „zutiefst menschenverachtend und absolut inakzeptabel“. Besonders erschütternd sei, dass ein Arzt, der dem Hippokratischen Eid und dem Genfer Gelöbnis verpflichtet sei, solche Aussagen treffe. Auch die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern kündigte an, den Fall berufsrechtlich sorgfältig zu prüfen und alle Möglichkeiten auszuschöpfen, falls sich die Vorwürfe bestätigen.
Für muslimische Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende an Kliniken ist ein solcher Fall besonders belastend. Viele Muslime und Menschen mit Migrationsgeschichte erleben im Alltag bereits Vorurteile und Diskriminierung. Wenn ein Arzt, der Leben retten und heilen soll, öffentlich über „Kremieren“ und „Lager“ spricht und rassistische Beleidigungen verwendet, untergräbt das das Vertrauen in das Gesundheitssystem. Die klare und schnelle Reaktion der Universitätsmedizin Rostock sendet jedoch ein wichtiges Signal: Solche Haltungen haben in einer Klinik keinen Platz.
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